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Präventionsbündnis Sicherheit für Seniorinnen und Senioren

Vorgeschichte und Anlass

Im Jahre 1999 haben die  - damalige - Polizeidirektion Esslingen und der Kreisseniorenrat Esslingen die Initiative "Sicherheitsberater für Senioren" gestartet.

Im Rahmen dieser  Initiative unterstützen  bürgerschaftlich engagierte Seniorinnen und Senioren  - darunter überwiegend pensionierte Polizeibeamte -  die kriminal- präventiven Aktivitäten der Polizei im Seniorenbereich. Sie werben bei Senioren- gruppen und in Seniorentreffs für den Gedanken der Kriminalprävention  und klären über Kriminalitätsformen zum Nachteil ältere Menschen auf. Der Dienst der Sicherheitsberater im Bemühen um Kriminalprävention ist im Kreis Esslingen gefragt: 2013 wurden 40 Informations- und Aufklärungsveranstaltungen mit über 900 Teilnehmern durchgeführt.

Aufgrund dieser positiven Erfahrungen ist das Polizeipräsidium Reutlingen sehr an Sicherheitsberatern auch in den Kreisen Reutlingen und Tübingen interessiert. (Anm.: zum Gebiet des Polizeipräsidiums Reutlingen gehören die Kreise Esslingen, Reutlingen und Tübingen). Zu dieser Frage hat es mit dem Referat  Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen bereits eine Reihe von Gesprächen gegeben.

Der Kreisseniorenrat Tübingen ist bereit, sich ebenso wie der Kreisseniorenrat Esslingen im Interesse der älteren Bürgerinnen und Bürger für die Initiative "Sicherheitsberater" zu engagieren.

Die Bemühungen um Kriminalprävention sollten auf eine breitere Basis gestellt werden.  Danach sollten sich alle Stellen, die sich im Kreis Tübingen mit Fragen der Kriminalprävention  befassen oder die zumindest davon berührt sind, zu einem  Bündnis zur Kriminalprävention zusammenschließen. Innerhalb eines  solchen Bündnisses sollen dann Sicherheitsberater den zentralen Platz einnehmen.  

Für ein  Bündnis dieser Art legt der Kreisseniorenrat Tübingen ein  gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Reutlingen entwickeltes Konzept  vor.

 

   Demographische Daten Kreis Tübingen

35.000 Einwohner des Kreises Tübingen haben ein Lebensalter von mehr als 65 Jahren.  Das sind 16 % der Kreisbevölkerung.  9.000 Einwohner  sind  älter als 80 Jahre (4,2 % der Kreisbevölkerung).Nach Vorausberechnungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg wird   sich  die   Zahl  der  über  65-jährigen Einwohner  des  Kreises   bis   zum Jahr 2030  auf   52.000   erhöhen. Das sind dann  23,4 %  der  Kreisbevölkerung.

Darunter werden voraussichtlich rund 13.500 Einwohner (6,5 % der Kreis- bevölkerung) mit einem Lebensalter von mehr als 80 Jahren sein.

Mit zunehmendem Lebensalter steigt der Anteil von Frauen an der betreffenden Altersgruppe. Während zur Altersgruppe der 65 bis 70 jährigen im Kreis Tübingen 4.230 Frauen (50,3 %) und 4.177 Männer (49,7 %) gehören, liegt in der Altersgruppe der über 85jährigen der Anteil der Frauen bei 72 % (3.237) und der Anteil der Männer bei nur noch 28 % (1.257).

 

Kriminalitätsgefährdung älterer Menschen

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und die  Deutsche Hochschule der Polizei haben von 2008 bis 2012 das Aktionsprogramm "Sicher leben im Alter" durchgeführt. Ziel dieses Programms war es, Seniorinnen und Senioren vor Straftaten zu schützen.*

Zwar lebt  nach Ergebnissen der Kriminalstatistik und der wissenschaftlichen Forschung die Mehrzahl älterer Menschen in Deutschland vergleichsweise sicher und ist deutlich seltener von Kriminalität betroffen, als jüngere Erwachsene. Dies zeigt sich auch in der Kriminalstatistik für den Kreis Tübingen.

Dennoch gibt es bestimmte Lebensbereiche und Situationen, in denen gerade ältere Menschen -  und hier insbesondere alleinstehende Frauen der Generation 75/80+  - in das Blickfeld von kriminellen Tätern gelangen. So versuchen Kriminelle immer wieder Seniorinnen und Senioren  zu betrügen oder zu täuschen, um an ihr Eigentum und Vermögen zu gelangen. Sie geben sich dabei beispielsweise am Telefon als Verwandte oder an der Haustür als Handwerker aus oder täuschen eine Notlage vor und appellieren an die Hilfsbereitschaft. Kriminelle Täter wählen  gezielt hochaltrige Opfer aus, weil sie bei ihnen besonders günstige Tatbedingungen wie alleinlebend, körperlich eingeschränkt, leicht zu täuschen, verlangsamte Reaktionen usw., vermuten.

Um dem berechtigten Wunsch von Seniorinnen und Senioren nach  Schutz vor Straftaten zu entsprechen, gilt es, durch das Beschreiten neuer Wege im Bereich der Aufklärung und Information präventives Verhalten zu fördern. Dabei soll auch das Maß an "gefühlter" Kriminalität zu Lasten der älteren Generation vermindert werden.

* vgl. hierzu Broschüre des  BMFSFJ "Rate mal, wer dran ist - so schützen Sie sich vor Betrügern und Trickdieben" 7. Auflage, Artikelnummer: 3BR14

 

Das Bündnis, seine Ziele und seine Elemente

Ziele

Das Bündnis soll im einzelnen  folgenden Zielen der Kriminalprävention dienen:

  • Schutz vor Kriminalität
  • Aufklärung über Kriminalitätsformen
  • Aufzeigen von Präventionsmöglichkeiten
  • Vermittlung von Verhaltensempfehlungen
  • Verbesserung des Sicherheitsgefühls
  • Vermittlung von Hilfen für Kriminalitätsopfer.

 Diese Ziele sollen mit den Bündniselementen

  • Senioren-Sicherheitsberater und
  • Präventionsnetzwerk

 erreicht werden.

Elemente

Senioren-Sicherheitsberater

Das Konzept für den Einsatz von Senioren-Sicherheitsberatern im Kreis Tübingen greift die im Kreis Esslingen gesammelten Erfahrungen (siehe hierzu Vorgeschichte und Anlass) auf und entwickelt sie als Teil des Bündnisses weiter. 

Aufgabe der Sicherheitsberater ist es, Seniorinnen und Senioren im Rahmen von Vorträgen vorbeugend über kriminelle Gefahren, denen sie im Alltag ausgesetzt sind,  aufzuklären und zu beraten. Insbesondere sollen sie

  • vor Kriminalität schützen
  • durch  Verbesserung des Sicherheitsgefühls die Lebensqualität erhöhen
  • Risiken im öffentlichen Raum minimieren und damit die Sicherheit erhöhen
  • Hilfe zur Selbsthilfe und Hilfe anderen gegenüber aktivieren
  • in entsprechenden Situationen einen schnellen Kontakt mit den zuständigen Stellen von Polizei und Verwaltung herstellen.

 Hierzu

  • halten sie Vorträge insbesondere bei Seniorenclubs und bei Seniorentreffs
  • geben sie praktische Ratschläge zum Schutz vor kriminellen Praktiken
  • empfehlen sie das Angebot der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle für einen wirksamen technischen Einbruchsschutz
  • informieren sie über und vermitteln ggf. Angebote anderer Institutionen und Organisationen zur Kriminalitätsbekämpfung
  • organisieren sie spezielle Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse für Seniorinnen und Senioren.

 Als Themen für Vorträge kommen in Betracht:

  • Wohnungssicherung
  • Haustürkriminalität
  • Umgang mit persönlichen Daten
  • Schutz vor Betrug und Diebstahl
  • Verbraucherschutz
  • Internet und neue Medien
  • Opferschutz und Opferhilfe

Sicherheitsberater sind keine Hilfspolizisten. Sie ergänzen auf niederschwelliger  Basis die Aufgaben der Polizei auf dem Gebiet der Kriminalprävention und  können und sollen die Polizei nicht ersetzen.

Interessentinnen und Interessenten am Dienst als Senioren-Sicherheitsberater werden auf ihre Aufgabe vorbereitet und entsprechend geschult. Darüber hinaus ist ihre Weiterbildung und ein Erfahrungsaustausch vorgesehen.

Das Konzept der Sicherheitsberater beruht zum einen auf dem Prinzip des bürgerschaftlichen  Seniorenengagements: Polizeibeamte übernehmen nach ihrer beruflichen Lebensphase unter Nutzung der im aktiven Polizeidienst erworbenen Kenntnisse freiwillig einen Dienst zu Gunsten von älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger. Zum anderen folgt das  Konzept mit seinem Grundsatz "Von Älteren für Ältere"  dem  Peer-Group Prinzip: Sicherheitsberater kennen auf Grund eigener Erfahrungen die Probleme des Älterwerdens und können sich so auf Sorgen und Fragen ihrer älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger gut einstellen. Die Sicherheitsberater sprechen die Sprache hilfesuchender Seniorinnen und Senioren. Die Kommunikation erfolgt auf "Augenhöhe". 

Das Konzept der Senioren-Sicherheitsberater wird vom Polizeipräsidium Reutlingen und dem Kreisseniorenrat Tübingen gemeinsam getragen und gemeinsam umgesetzt.

Präventionsnetzwerk

Die Frage, welche Institutionen  und Organisationen  sich neben der Polizei  im obigen Sinne  mit Kriminalprävention befassen, führt  zu folgendem Ergebnis:

          Institution/Organisation                                 Präventionsbereich        

  • Kreishandwerkerschaft                    →  Technische Einbruchssicherung 
  • Verbraucherzentrale                       →   Verbraucherschutz
  • Senioren-Computer-Initiativen        →   Internetkriminalität 
  • Betreuungsverein                           →   Missbrauch von rechtlicher Betreuung 
  • Finanzinstitut                                 →   Vermögensdelikte/Enkeltrick
  • Kreisverkehrswacht                        →   Verkehrssicherheit  
  • WEISSER RING                              →   Opferhilfe

Weil die genannten Stellen und gegebenenfalls weitere Stellen so wie das Polizeipräsidium Reutlingen, die Sicherheitsberater und der Kreisseniorenrat Tübingen um einen Schutz namentlich älterer Bürgerinnen und Bürger vor Kriminalität bemüht sind, bietet sich eine Kooperation an. Diese Stellen sind dafür zu gewinnen, als Netzwerkpartner ein Präventionsnetzwerk im Kreis Tübingen zu bilden.

 

 


Förderer des Kreisseniorenrat Tübingen e.V.